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Die Hüftgelenkdysplasie (HD)
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Autor: Marion Gollung
Allgemeines zur HD: Die HD gibt es bei fast allen Hunderassen. Es sind zwar überwiegend große Rassen betroffen, aber es gab auch schon HD bei Toypudeln. Eine Studie der OFA (http://www.offa.org/hipstatbreed.html) ergab einige überraschende Ergebnisse: Die Datenbank über HD umfasst 132 Rassen. Der Mops liegt dabei an zweiter Stelle. 60,5 % der untersuchten Tiere haben HD, und für keine einzige Aufnahme wurde die Einstufung "excellent" (ausgezeichnet - A) erteilt. Nur der English Bulldog kann noch schlechtere Werte aufweisen, hier haben 75,4 % der untersuchten Tiere HD und auch hier keine Tiere mit "excellent". Beim Australian Terrier ist es fast umgekehrt: Nur 0,8 % der Hunde haben HD und 6,0 % erhielten die Wertung "excellent". Der Deutsche Schäferhund liegt auf Platz 34. 19,3 % der Hunde haben HD und 3,3 % die Bewertung "excellent". Unter den unrühmlichen ersten zehn Plätzen ist die Bordeaux-Dogge auf dem dritten, Otterhound gleich darauf, sowie Bernhardiner auf dem sechsten wie Mastino Napoletano auf dem siebten Rang aufgeführt. Gut schnitten dabei die Hetzhunde ab. Im Vergleich der Rassen, die seit 1972 erfasst werden, zeigt sich, dass mit dem Vergleich der gleichen Rassen ab 1995 die Tendenz positiv ist. Bei allen sank die Prozentzahl an HD-Erkrankungen. Teilweise dramatisch, teilweise minimal. Und bei fast allen Rassen gab es eine Zunahme der als "excellent" eingestuften Hüften.
Erscheinungsbild: Bei der HD ist die Gelenkpfanne zu flach, dadurch hat der Gelenkkopf keinen richtigen Halt. Das bereitet den Hunden in vielen Fällen große Schmerzen. Oft hilft nur noch eine Operation oder der Hund muß eingeschläfert werden. Dabei sagt die Schwere der HD (HD-Stufen, siehe weiter unten) nicht unbedingt etwas über die Probleme aus, die der einzelne Hund damit hat. Mancher tobt mit HD-D noch herum als wäre alles OK, Andere haben schon mit HD-C große Schmerzen. Das hängt viel von der Bemuskelung des betroffenen Hundes ab. Eine gute Bemuskelung vermag das Gelenk zu halten. Das Fazit: Über reines Beobachten kann man eine HD in vielen Fällen gar nicht feststellen. Eine HD ist nur über ein Röntgenbild eindeutig zu diagnostizieren. Die genaue Ursache der HD ist noch nicht bekannt, aber neueste Studien scheinen zu belegen, dass nur rund 30% der HD-Fälle vererbt sind. Der Rest ist durch falsche Haltung und/oder Fütterung in den ersten 1 ½ Lebensjahren erworben!
HD frei schwere HD
Die HD-Stufen:
Im VDH müssen die Zuchttiere HD-gefährdeter Rassen geröntgt und von einem Gutachter ausgewertet werden. Es gibt die Stufen A bis E. Bei vielen Rassen ist die Zucht nur mit A und B erlaubt, bei einigen Rassen ist auch C noch zur Zucht zugelassen (Dann darf aber u.W. nur mit HD-A gepaart werden).
HD-Frei (A) Mittlere HD (D) Schwere HD (E)
Die Unterteilung der HD in die verschiedene Stufen (Jeweils noch mit dem Faktor 1 oder 2, z.B. HD-A1, HD-A2, HD-B1, HD-B2 usw):
HD-A Frei
HD-B Übergangsform / Grenzfall (Noch keine HD)
HD-C Leichte HD
HD-D Mittlere HD
HD-E Schwere HD
Hier die Erklärung der verschiedenen Stufen:
HD-Frei ( A ): Die Gelenkpfanne ist tief, Oberschenkelkopf und Gelenkpfanne sind gleichförmig. Es gibt an beiden keine Auflagerungen, der Winkel nach Norberg beträgt mindestens 105°. Bei hervorragenden Hüftgelenken (A1) umgreift ein Teil des Pfannenrandes den Oberschenkelkopf noch etwas weiter
HD-Grenzfall ( B ): Oberschenkelkopf oder Pfannendach sind geringfügig ungleichmäßig und der Winkel nach Norberg beträgt 105° oder mehr oder dieser beträgt weniger als 105° und Oberschenkelkopf und Pfannendach sind gleichförmig. Geringe Unschärfen am Pfannenrand können vorhanden sein
Leichte HD ( C ): Oberschenkelkopf und Gelenkpfanne sind ungleichmäßig, der Norbergwinkel ist kleiner 100°. Geringe Unschärfen am Pfannenrand können vorhanden sein. Eventuell geringe Unschärfen oder geringe Anzeichen arthrotischer Veränderungen.
Mittlere HD ( D ): Deutliche Ungleichheit zwischen Oberschenkelkopf und der Gelenkpfanne mit Teilverrenkung. Norbergwinkel größer 90°. Abflachung des Pfannenrandes und/oder arthrotische Veränderungen.
Schwere HD ( E ): Auffällige Veränderungen an den Hüftgelenken, z.B. Ausrenkung oder Teilverrenkung. Norbergwinkel unter 90°, Deutliche Abflachung des Pfannenrandes. Pilzförmige, abgeflachte Verformung des Oberschenkelkopfes oder andere arthrotische Veränderungen.
Der Norberg-Winkel
Es wird eine Messung des sogenannten NORBERG - Winkels durchgeführt. Diese Messung, die mit einer speziellen Schablone direkt am Röntgenbild erfolgt, erlaubt eine objektive Zusatzbeurteilung des Hüftzustandes. Bei der Messung kommt zwei Hauptkriterien besondere Bedeutung zu:
Der Geschlossenheit des Gelenks, d.h. Oberschenkelkopf und Beckenpfanne müssen optimal ineinander passen. Die Außenkontur des Oberschenkelkopfes soll vollständig parallel zur Kontur der Pfanne verlaufen.
Der Winkel nach Norberg: Er ist ein objektiver Ausdruck der Tiefe der Beckenpfanne. Er soll 105 Grad oder mehr betragen. Als zusätzliche Kriterien werden entzündliche Veränderungen am Gelenk und natürlich auch das Alter des Tieres berücksichtigt.
Was können Sie tun, um das HD-Risiko gering zu halten?
Darauf sollten Sie beim Züchter achten: Kaufen Sie Ihren Hund bei einem VDH-Züchter. Der VDH hat die strengsten Zuchtbestimmungen in Deutschland und es kommen keine Hunde ohne die erforderlichen Gesundheitsuntersuchungen in die Zucht. Machen Sie sich über die erlaubten Verpaarungen Ihrer Wunschrasse bei den Zuchtverbänden kundig (Es gibt bei den verschiedenen Hunderassen und auch in den einzelnen Zuchtverbänden unterschiedliche Bestimmungen) und achten Sie darauf, dass die verpaarten Elterntiere mit Ihren HD-Ergebnissen den Bestimmungen der Rasse entsprechen. Scheuen Sie sich nicht, den Züchter offen darauf anzusprechen und lassen Sie sich im Zweifelsfall die Auswertung des Gutachters zeigen. Ist eine solche nicht vorhanden kaufen Sie, auch wenn Sie vielleicht schon einen Welpen ausgesucht haben, Ihren zukünftigen Kameraden bei einem anderen Züchter. Kaufen Sie niemals einen Hund aus Mitleid. Hundehändler und Massenzüchter kümmern sich um keinerlei Untersuchungen (Das kostet ja Geld!).Gerade hier ist das Risiko, einen HD-kranken Hund zu bekommen, besonders hoch. Aber alle Untersuchungen können keine Hundertprozentige Sicherheit geben. Auch beim besten und fürsorglichsten Züchter kann eine HD vorkommen. Nur ist hier das Risiko relativ gering.
Im neuen Zuhause des Welpen/Junghundes: Auf die Aufzucht des Welpen beim neuen Besitzer hat der Züchter, außer gute Tipps mitzugeben, keinen Einfluss mehr. Das liegt in den Händen des neuen Herrchens/Frauchens. Gerade bei größeren Rassen ist es darum sehr wichtig einige (einfache) Regeln zu beachten, um das Risiko einer erworbenen HD niedrig zu halten:
Allgemein: Lassen Sie den Welpen und Junghund bis zum Alter von 6 Monaten keine Treppen laufen. Die Knochen sind noch sehr weich und haben schon ein recht großes Gewicht zu tragen. Überfordern Sie Ihren Welpen in den ersten 1 1/2 Jahren nicht mit stundenlangen Spaziergängen oder laufen am Fahrrad oder Pferd. Auch auf Hundesport mit Hürdenspringen sollte man auf alle Fälle im ersten Lebensjahr verzichten. Auch ein ständiges „auf den Hinterbeinen stehen“ ist für eine gesunde Hüfte nicht gerade förderlich. Vermeiden Sie auch häufige Apportierübungen (Viele kurze Stopps und Wendungen!). Schwimmen wirkt sich dagegen günstig auf die Muskelentwicklung aus ohne die Gelenke zu belasten (im Winter oder bei wasserscheuen Hunden allerdings etwas problematisch und auch kein Muß).
Die Fütterung: Tipp der Tiermediziner: ab dem Alter von 3 Monaten ist der Hund kein Welpe mehr und braucht kein Welpenfutter! Futter für erwachsene Hunde verhindert ein zu schnelles Wachsen und kann somit Hüftproblemen vorbeugen. Achten Sie streng darauf, dass der junge Hund nicht übergewichtig ist! Sie können Ihren Hund nicht „großfüttern“. Die Größe ist genetisch festgelegt und kann nicht über das Füttern beeinflusst werden. Leider gibt es diesen Irrglauben immer noch. Ihr Hund wird durch zuviel Futter nicht größer, sondern nur fetter. Und Übergewicht kann ein Auslöser für HD sein! Sie sollten für Ihren Welpen, auch wenn es ihm besser zu schmecken scheint, nicht selbst kochen. Sämtliche Futterzusätze können die ausgewogenen Vitamine und Mineralien einer Fertignahrung nicht ersetzen! Und gerade in der Wachstumsphase muss die Zusammensetzung der Nahrung hundertprozentig stimmen, damit sich die Knochen optimal entwickeln können. Füttern Sie auch zu einer Fertignahrung niemals zusätzlich Kalzium oder andere Futterzusätze! Die Folgen können schwere Deformationen der Knochen und natürlich auch der Hüfte sein.
Wenn Sie alle Tipps beachten ist das Risiko einer HD bei Ihrem Wunschhund zwar nicht hundertprozentig ausgeschlossen, aber doch sehr gering.
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